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Montag, 03. Januar 2011



Nasenspray: Unterschätztes Risiko
Beratung in der Apotheke garantiert sichere Anwendung

Viele Patienten wenden Nasensprays zu lange an und laufen dadurch Gefahr, von der abschwellenden Wirkung abhängig zu werden. In einer aktuellen Forsa-Umfrage unterschätzen 40 Prozent der Deutschen dieses Risiko.

Sprays können abhängig machen

24 Prozent der Befragten glauben, dass sie die Mittel problemlos bis zu zwei Wochen anwenden könnten. 12 Prozent gehen sogar davon aus, dass sie Nasensprays noch länger als zwei Wochen anwenden können. Vier Prozent der Bevölkerung nehmen an, dass sich die abschwellenden Sprays zeitlich unbegrenzt einsetzen lassen. „Dabei führen abschwellende Nasensprays schon nach nur ein bis zwei Wochen zu einer Gewöhnung und zu einem vom Arzneimittel hervorgerufenen Schnupfen. Die Sprays können in kurzer Zeit abhängig machen“, warnt die Apothekerin Ursula Battmer. Sie hat die Forsa-Umfrage, die im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt wurde, ausgewertet. Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen gibt es in Deutschland insgesamt 100.000 Nasenspray-Süchtige.

Jeder Achte betroffen

In der Umfrage räumt jeder Achte ein, dass er Nasenspray schon einmal länger als empfohlen verwendet hat. Bei den 18- bis 25-jährigen war das sogar bei jedem Fünften der Fall. Ein solcher Umgang mit dem vermeintlich harmlosen Medikament führt häufig schleichend zum Zwang, das Nasenspray immer und mehrmals täglich zu benutzen. „Ohne das Medikament haben Betroffene dann das Gefühl, dass sie ersticken. In Wahrheit ist es aber längst das Arzneimittel selbst, das ihren Schnupfen verursacht“, sagt Battmer.

Paradoxe Wirkung bei zu langer Anwendung

Diese paradoxe Reaktion erklärt sich aus dem Wirkprinzip der Sprays: Im Normalfall bewirken sie, dass sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammenziehen und der Patient bei Schnupfen wieder problemlos durch die Nase atmen kann, erklärt die Apothekerin. Das ist bei akuten Erkältungen von Vorteil, weil die Nasennebenhöhlen besser belüftet werden und sich nicht entzünden. Ab etwa einer Woche schlägt die Wirkung aber um und es tritt genau das Gegenteil ein. Der abschwellende Effekt lässt nach, die gereizte Nasenschleimhaut schwillt umso stärker an und die Betroffenen können kaum noch durch die Nase atmen. „So kommt es zu einem Teufelskreis aus einer höheren Nasenspraydosis gegen die vermeintlich verstopfte Nase und einer gerade dadurch verursachten stärkeren Schwellung der Nasenschleimhaut“, erklärt Battmer. Der intensive Einsatz des Nasensprays trocknet außerdem die Schleimhäute aus und auch der Geruchssinn leider unter der Dauerbelastung.

Langsam entwöhnen

Als Ausweg empfehlen Apotheker, das Nasenspray schrittweise niedriger zu dosieren. Vom Spray für Erwachsene wechseln Patienten erst zum Kinder- dann zum Säuglingsspray, bevor sie das Spray ganz absetzen. Das klappt am besten, wenn zuerst eine Nasenseite entwöhnt wird. Wenn sie sich nach ein bis zwei Wochen erholt hat, können die Patienten auf dieser Seite wieder normal atmen und dann auch die andere Seite entwöhnen.

Quelle: Apotheken.de -  Von: Stefanie Grutsch; Bild: 123rf.com
 
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