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Montag, 28. Juni 2010


Schlankmacher Sibutramin auf Eis

Sibutramin wird in Apotheken nicht mehr abgegeben

Aufgrund einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) ruht ab heute die Zulassung für den Diät-Wirkstoff Sibutramin in Europa. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ruft Ärzte und Apotheker deshalb dazu auf, Medikamente mit dem Wirkstoff nicht mehr zu verordnen oder abzugeben.

Mehr Schlaganfälle und Herzinfarkte

Die Entscheidung der EMEA beruht auf einer Langzeit-Studie zu Sibutramin, deren Ergebnisse nun vorliegen und nicht für den Wirkstoff sprechen. Er hat Nebenwirkungen wie Bluthochdruck und Steigerung der Herzfrequenz. Deshalb prüft die Studie seit 2002, ob die Vorteile von Sibutramin diese Risiken rechtfertigen. 10.000 übergewichtige Patienten über 55 Jahre nahmen daran teil – alle mit Herz-Kreislauf-Vorbelastung. Jetzt ist klar: Diejenigen von ihnen, die Sibutramin nahmen, statt eines Placebos, erlitten häufiger Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Risiko größer als Nutzen

Demgegenüber ist laut EMEA die Gewichtsabnahme gering und hilft außerdem nicht, das bei Übergewicht erhöhte Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu senken. Das Risiko des Wirkstoffs fällt also höher aus als sein Nutzen. Das BFArM rät deshalb, die Abgabe von Sibutramin zu stoppen. Patienten, die derzeit noch Medikamente mit Sibutramin nehmen, sollten mit ihrem Arzt andere Möglichkeiten zur Gewichtabnahme besprechen.

Apotheker unterstützen Entscheidung

Die deutschen Apotheker unterstützen die Entscheidung des BfArM. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat bereits am Freitag alle Apotheken in Deutschland darüber informiert. Auch der Hersteller will die Vermarktung stoppen – bislang gab es Sibutramin unter den Handelsnamen Reductil®, Meridia®, Sibutral®, Ectiva® und Raductil®.

Der Vorsitzende der AMK warnt betroffene Patienten ausdrücklich davor, Sibutramin künftig bei unseriösen Online-Quellen zu kaufen. Dort wird der Wirkstoff auch häufig versteckt in Arzneimittelfälschungen angeboten (apotheken.de berichtete).

Von: Stefanie Grutsch; Bild: Abbott
 
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